Heaven Shall Burn… When We Are Gathered

Erscheinungsjahr:

1996

Label:

Osmose Productions

Tracklist:

  1. Summon The Darkness
  2. Beyond the Grace of God
  3. Infernal Eternal
  4. Glorification of the Black God
  5. Darkness It Shall Be
  6. The Black Tormentor of Satan
  7. Dracul Va Domni Din Nou In Transilvania
  8. Legion

Rezension:

Mit „Heaven Shall Burn“ beginnt bei Marduk die nächste Schaffensphase, die in mehrerer Hinsicht einen Wandel einläutet. Der Wechsel am Gesang markiert eine markante Veränderung – sowohl im Gesamtsound als auch in der Außendarstellung der Band und der damit zusammenhängenden Lyrics.


Sänger Legion ist nicht nur eine amtliche Frontsau, er steigert auch merklich das ultra-Evil-Image der Band als bösartige Teufelsanbeter. Die Texte haben in Sachen Blasphemie und Dämonenkult ebenfalls ordentlich zugelegt. Zwar ist man zumindest mit einem Bein noch in düsteren Fantasy-Gefilden unterwegs, was sich auch im comichften, fast schon ungewollt amüsanten Coverartwork widerspiegelt, doch werden nun nicht nur der Fürst der Finsternis, Graf Dracula, sondern auch Satan höchstpersönlich ausgiebig und durchaus abwechslungsreich gehuldigt. Gesanglich ist Legion noch ein Stück weit garstiger unterwegs als sein Vorgänger: Er keift sich munter und mit beeindruckend viel Text durch die sieben Songs (plus ein Instrumentalstück) und versprüht dabei so viel Gift und Galle, dass es nur so eine Freude ist.


Gleichzeitig formiert sich das Line-Up damit zu einem gestählten Kampfgeschwader, mit dessen Hilfe die Band für die nächsten fünf Jahre und insgesamt vier Alben sowie zahllose weitere Veröffentlichungen ihren Status in der weltweiten Szene zementieren wird. Für dieses Album wird zudem erstmals Peter Tägtgren’s Abyss Studio für die Produktion aufgesucht, die deutlich druckvoller als bei den Vorgängern daherkommt. Der Hypocrisy-Frontmann bleibt von nun an eine feste Konstante im Band-Kosmos und wird sogar noch bis zum 2003er Album „World Funeral“ die Knöpfchen am Mischpult drehen.


Musikalisch setzt die Band den mit „Opus Nocturne“ gestarteten Feldzug, die Anführer in Sachen Geschwindigkeit und Brachialität zu werden, unbeirrt fort. Nach dem knappen Intro eröffnet „Beyond the Grace of God“ als unbarmherziger Frontalangriff und gibt eine eindeutige Marschroute vor: schneller, härter, finsterer! Damit definiert Marduk einen Sound, der in dieser Form für viele andere aufstrebende Black-Metal-Bands zweifellos eine beeindruckende Benchmark darstellen dürfte. Zugleich offenbart sich hier, dass die Band eine neue Spielart im Schwarzmetall-Kosmos kreiert hat, die sich deutlich vom „True Norwegian Black Metal“ abhebt.


Die unbarmherzige Kompromisslosigkeit in Sachen Brutalität macht dieses Album sicherlich zu einem Meilenstein – für meinen Geschmack steht es jedoch zugleich für einen ab diesem Zeitpunkt langsam, aber deutlich einsetzenden Verlust an Atmosphäre und Stilvielfalt. Zum Glück zieht die Band nach dem ultrabrutalen Höhepunkt „Darkness It Shall Be“ die Handbremse an und beweist mit „The Black Tormentor of Satan“ und dem Abschlusssong „Legion“, dass sie bei aller Hyper-Blastbeat-Huldigung nach wie vor versteht, dynamischere Songs mit größeren Melodiebögen zu kreieren. Mit dem komplett getragenen „Dracul Va Domni Din Nou In Transilvania“ gelingt es ihnen sogar, eine Art Düster-Ballade als kleinen Kontrapunkt in das ansonsten vorherrschend Schnellfeuermassaker einzuschmuggeln. Und dass sich auch noch im Intro zu „Glorification of the Black God“ mit dem Auftakt von Mussorgskys „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ eine Referenz an die klassische Hochkultur findet, macht deutlich, dass es sich lohnt, bei all dem Höllenlärm, den Marduk mit ihrem vierten Album unnachahmlich inszeniert haben, auf die Details zu achten: viele kleine Stellschrauben, deren Feinjustierung der Band ihren ganz persönlichen Trademark-Sound verdankt.

Anspieltipps:

  • Beyond The Grace Of God
  • The Black Tormentor Of Satan
  • Legion

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