
Erscheinungsjahr:
1993
Label:
Osmose Productions
Tracklist:
1. Darkness Breeds Immortality
2. Those of the Unlight
3. Wolves
4. On Darkened Wings
5. Burn My Coffin
6. A Sculpture of the Night
7. Echoes From The Past
8. Stone Stands in Silent VigilOn Darkened Wings
Rezension:
Auf ihrem zweiten Album definiert sich die Band nun klarer als zuvor im Black Metal und entwickelt diesen Sound konsequent weiter. Zwar erinnern vereinzelte Passagen noch an ihre Death-Metal-Wurzeln, doch die Grundausrichtung ihres Klangs ist nun eindeutig schwarzmetallisch geprägt.
Das liegt zunächst an der Produktion, die klirrend und pechschwarz daherkommt – allerdings bei Weitem nicht so primitiv und roh wie die ihrer norwegischen „Brüder im Geiste“ zu dieser Zeit. Dennoch bietet sie genug Raum für die einzelnen Instrumente, die abwechslungsreich und in Teilen sogar versiert agieren.
Drummer Joakim af Gravf, der auf diesem Album erstmals auch den Gesang übernimmt, meistert beide Aufgaben hervorragend und schreit sich förmlich die Seele aus dem Leib. Am Bass ist mit B. War (R.I.P.) ein Musiker zu hören, der dem Gesamtsound seinen eigenen Stempel aufdrückt. Die beiden Gitarristen haben ihr spielerisches Können seit dem Debütalbum spürbar gesteigert und zaubern einen fesselnden Mix aus rasendem Power-Riffing, melodischem Black-Metal-Single-Note-Geschredder und – überraschenderweise – auch unverzerrten Lagerfeuerakkorden.
Spätestens mit dem Titelsong als zweitem Stück des Albums wird klar: Die Band ist spielerisch und kompositorisch gereift und in der Lage, trotz aller Raserei abwechslungsreiche Songstrukturen aufzubauen. So kommt zu keiner Zeit auch nur ein Hauch von Langeweile auf. Die verschiedenen Breaks und Groove-Wechsel ergänzen den ansonsten vor allen Dingen brachialen Gesamtsound, mit dem sie beim Eröffnungssong „Darkness Breeds Immortality“ noch gestartet sind, um eine erstaunliche Dynamik.
Mit „Wolves“ folgt ein echter Hit: hymnenhaft und melodisch zugleich, verzaubert das Stück den Hörer. Und immer dann, wenn man meint, es könnte zu schunkelig werden, bricht die absolute Raserei mit ultraschnellen Blastbeats los. Herrlich – und genau das zeichnet den neuen „Marduk 2.0“-Sound aus! Hier wird deutlich, wozu die Band mittlerweile fähig ist und wie vielfältig sie Black Metal interpretieren kann. Selbst ein für den Genre eher untypisches, ausgedehntes Gitarren-Solo findet hier seinen berechtigten Platz.
Mit dem gesangslosen Instrumentalstück „Echoes from the Past“ beweist Marduk zudem, dass sie auch Tiefe und Ernsthaftigkeit erzeugen können. Es verleiht dem Album eine weitere Facette und sorgt für jede Menge Atmosphäre. Und es sind genau diese Dynamiken, die in fast jedem einzelnen Stück angelegt sind und die auch über das gesamte Album hinweg die unglaubliche Energie widerspiegeln, die die Band bei der Komposition offenbar durchströmt hat.
„Those of the unlight“ ist ein absoluter Juwel, welcher die Band auf ein deutlich höheres Level katapultiert. Das relativ schlicht gehaltene Artwork – zumindest in der ursprünglichen CD-Version von 1993 – mit einem bis auf das Logo schwarz-weißen Frontcover, das eher an 70er-Jahre-Gruselfilme als an nordische Finsternis erinnert, hat bereits Kultcharakter. Die Fotos im Booklet zelebrieren das ab dieser Zeit zum Black-Metal-Image gehörende Evil-Posing-im-Wald der Mitglieder inklusive Corpse Paint. Und die kaum leserliche Frakturschrift im Innenteil verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Portion Mystik – was die besondere Aura, die von diesem Album ohnehin ausgeht, noch verstärkt.
Anspieltipps:
- Those of the Unlight
- Wolves