Opus Nocturne

Erscheinungsjahr:

1994

Label:

Osmose Productions

Tracklist:

  1. Intro / The Appearance of Spirits of Darkness
  2. Sulphur Souls
  3. From Subterranean Throne Profound
  4. Autumnal Reaper
  5. Materialized in Stone
  6. Untrodden Paths (Wolves Part II)
  7. Opus Nocturne
  8. Deme Quaden Thyrane
  9. The Sun Has Failed

Rezension:

Nur ein Jahr nach „Those of the Unlight“ entfesselt Marduk mit „Opus Nocturne“ bereits das nächste Album – und was für eines! Hinter dem unheilschwangeren Titel verbirgt sich eine wahre Urgewalt, die noch brutaler daherkommt, als der Name zunächst vermuten lässt. Im Vergleich zum Vorgänger drückt die Band das Gaspedal über weite Strecken noch weiter durch, besonders beeindruckend umgesetzt von Neuzugang Fredrik Andersson am Schlagzeug, der mit seiner Spielweise alles in Grund und Boden trommelt.


Doch nicht nur die rohe Wucht beeindruckt: Mit feinem Gespür für Dynamik zieht die Band genau an den richtigen Stellen die Handbremse, wechselt zu getrageneren Tempi und setzt gezielt Breaks ein. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist „Materialized in Stone“, der durch sein gemäßigtes Tempo ohnehin aus dem Rahmen fällt – und zugleich zu den größten Hymnen zählt, die Marduk je geschaffen haben.
Der Ausstieg von Gitarrist Devo Andersson hat spürbar weniger Gitarrensoli zur Folge, doch dafür glänzt Bassist B.War umso mehr. Sein überdurchschnittlich gutes Spiel prägt dank der transparenten Produktion von Dan Swanö das Album auf eine für das Genre ungewöhnliche Weise.


Mit dem Titelsong schlägt die Band überraschend ruhige, fast bedrohlich zerbrechliche Töne an – und „irritiert“ mit einem Sprechgesang, der sich noch bis in den nachfolgenden Song „Deme Quaden Thyrane“ hineinzieht. Damit beweisen Marduk, dass sie neben Tempo und Aggressivität auch Wert auf Atmosphäre und düstere Erzählungen legen. Dies spiegelt sich auch im opulenten Artwork wider: Das Schlachtengemälde vereint die typischen Themen der Band – Krieg, Dämonen, Vergänglichkeit – und verleiht ihnen einen mystischen Anstrich.


„Opus Nocturne“ ist somit ein brutales Black-Metal-Album, das mit Tempo und Nihilismus überzeugt, gleichzeitig aber mit einfachen, doch effektiven Mitteln Atmosphäre schafft. Neben eisiger Kälte gibt es immer wieder kurze, aber markante Ausflüge in nächtlich-verwunschene Fantasy- und Gothic-Gefilde – eine Kombination, die perfekt funktioniert und der Band schon damals eine unverwechselbare Prägung verlieh.
All diese Facetten werden im abschließenden „The Sun Has Failed“ meisterhaft zusammengefasst. Hier werden noch einmal alle Elemente des Albums in komprimierter Form dargeboten, und stimmungsmäßig zementiert die Band ihren Status als gewaltbereite Schöngeister, die ihren finsteren Dämonen in fast poetischer Weise Ausdruck verleihen:


„The sun has failed
Darkness spread its wings
Light drowns“


Es ist nur folgerichtig, dass das Album mit grollendem Gewitter und prasselndem Regen langsam in der Dunkelheit verschwindet. Mit „Opus Nocturne“ hat Marduk in kürzester Zeit eine weitere Stufe erklommen und ihren Sound klarer definiert. Es wird deutlich: Die Band hat ein klares Ziel vor Augen und strebt eine führende Rolle in Sachen Härte und Geschwindigkeit an. Doch auf diesem Album gelingt noch der Spagat zwischen rasender Intensität und Raum für Tiefe und Melodie.

Anspieltipps:

  • Sulphur Souls,
  • Materialized In Stone
  • The Sun Has Failed

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